Weidenhof Simon • Veranstaltungen
06.06.
16:00 Uhr

Tanztee mit Mackie Messer

Eine Reise in den "Goldenen Zwanziger"

Wenn die 1920er Jahre bis heute als „golden“ verklärt werden, so liegt hier die hauptsächliche Ursache: Im flimmernden Bereich von Schlager und Revue, von immer neuen Modetänzen, kurz, im Zauberreich der Unterhaltung.

Beginnend 1925, erreichten Schlager und Tanz sehr rasch eine neue Blütezeit. Nach Krieg, Hunger und Inflation artikulierte sich ein neues Lebensgefühl, mit dem raschen wirtschaftlichen Aufschwung entstanden Arbeitsplätze en masse, eingenommen von einer jungen selbstbewussten Generation von Männern wie auch selbst verdienenden Frauen. Und die wollten sich unterhalten und die neuen Moden mitmachen. Dazu gehörte, dass die Sekretärin oder der Büroangestellte nun nicht mehr erst am Abend ausgingen, sondern direkt nach Feierabend ausschwärmten zur Neuerfindung zahlreicher Lokale: Dem täglichen Tanztee um 17 Uhr. Dieser Atmosphäre fühlt sich unser Tanztee verpflichtet – unter Mitwirkung hoffentlich vieler Tanzpaare, wenn möglich in passender Garderobe á la „Babylon Berlin“. Der erste Teil des Tanztees entführt uns in die Schlagerwelt der 20er – mit originalen Schelllackaufnahmen im Foxtrott- und Tangorhythmus.

Im zweiten Teil begegnen wir dann „Mackie Messer“: 1928 erlebte im Theater am Schiffbauerdamm (dem heutigen Berliner Ensemble) die „Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht und Kurt Weill ihre Uraufführung, die den Anfang eines der größten Theatererfolge der Neuzeit markierte. Das sofort einsetzende „Dreigroschenfieber“ führte dazu, daß das Publikum auch über die Theater hinaus nach den großartigen Weillschen Melodien verlangte: Nicht nur nach Aufnahmen der originalen Fassung mit den Stars der Uraufführung,  sondern auch in Tanzbearbeitungen für verschiedenen Kapellen. Die Geschichten rund um die Schlager und um Mackie Messer werden von dem weltweit führenden Weill-Forscher und brillanten Kenner des Berlins der 20er, Dr. Jürgen Schebera kommentiert und begleitet – und wie die Damen und Herren der Tanztees der damaligen Zeit können sich auch die Besucher des ersten Tanztees im Alten Tanzsaal des Dossow der neuen 20er Jahre dabei amüsieren, tanzen und sich hoffentlich bestens unterhalten! Im Anschluß an den Tanztee kann an der eigens zu diesem Anlaß öffnenden Haifischbar im Alten Tanzsaal weitergefeiert werden!

Dr. Jürgen Schebera, geboren 1940, Literatur- und Musikhistoriker, bis 1990 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Literaturgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR. Mitglied des Direktionsteams des Kurt-Weill-Fests Dessau. Zahlreiche Buchveröffentlichungen zur Kunst- und Kulturgeschichte der Weimarer Republik und zur Exilliteratur sowie zu den Komponisten Hanns Eisler und Kurt Weill. Zuletzt erschien „Vom Josty ins Romanische Café – Streifzüge durch Berliner Künstlerlokale der Goldenen Zwanziger“ im Insel-Verlag. Mit dem „Tanztee mit Mackie Messer“ gastierte er u.a. beim Kurt-Weill-Fest Dessau und den Brecht-Festival Augsburg.

Dr. Jürgen Schebera
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